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Bruder ANONYMUS Freimaurermeister in allen Graden


Freimaurer heute: der große Irrtum. Kleinbürger wollen Gutmenschen sein!

aber: es gibt noch Chancen

Publikationen im Zusammenhang mit Freimauern sind entweder Lobschriften von Freimauern selbst gemacht, vielleicht um der Ergebnisse von Forschungen und Disertationen wohlmeinender Menschen willen oder um Verräterbücher oder Verschwörungstheorien. Da macht man es sich leicht damit. Wer sich nicht der inneren Zensur unterwirft, ist ein Verräter. Dies aber ist keine Verräterschrift sondern ein Schrei nach dem Gang zu maurischen Quellen mit frischem Wasser und danach, dass die Analysen der Gesellschaft durch die Freimaurer, ihre Ziele und Werte von ihnen auf sich selbst angewendet werden. Es ist also keine Verräterschrift sondern eine Hoffnungsschrift.

Eine geheimnisumrankte Organisation blutet aus. Die Werteneutralität und Ziellosigkeit der Postmoderne, neue Formen der Esoterik, lenken ein riesenhaft großes Licht und ein Interesse auf die Freimaurerei und ihre Logen zum für sie denkbar ungeeigneten Zeitpunkt.

Das Interesse trifft auf die Freimauer während diese nur noch mühsam am Leben sind und um Luft vor Erstickung ringen.

In ihren Mauern verflüchtigt sich, bei nach allen Seiten geschlossenen Fenstern, der Sauerstoff wie in einer eingestürzten Kohlezeche. Freimauerei befindet sich in Deutschland  in einem erbarmungswürdigen Zustand und ist für niemand wirklich attraktiv oder interessant.  Wer sich wohlwollend bemüht und offenen Herzens und Blickes nach ihr sucht, findet meist nur Asche anstelle von Feuer. Einen kleinen Club, meist konservativer älterer Herren, der seinen Nachwuchs bei den studentischen Verbindungen sucht. Und so ist er dann auch.Der Altersdurchschnitt liegt im Mittel bei 62 Jahren, die Freimaurer schönen diese Zahl. Sie stammt aus dem Rechenschaftsbericht des Großschatzmeisters.

Wie der ehemalige Großredner der Großloge der AfaM Burkhard Corissen schreibt: Wer die deutschen Großlogen kennt von innen, wird zu Recht daran zweifeln, dass ein Verein, in dem wohlmeinendes Kleinbürgertum und die Jagd nach Posten, Annerkennung und Orden vorrangig sind, die Geschicke der Welt lenkt.

Die Verbreitung der vorsätzlichen Lüge und falschen Selbstbezeichnung, man sei eine Gesellschaft die ein Geheimnis hat, ist eine bewußte Täuschung. Niemand dort hat ein Geheimnis, wenigstens keines im Zusammenhang mit Freimaurerei.

Die Liste mit den bedeutenden Persönlichkeiten, die Freimauer gewesen sein sollen (man glaubt es fast nicht bei wem das vermutet und von wem das einfach übernommen wird), ist lang. Man badet, sich wohlfühlend, stolz in dieser Tradition und rechnet sich selbst innerlich dazu. Welch ein Klamauk. Gegenwärtig gibt es in der deutschen Freimaurerei keinen einzigen über einen normalen Bekanntenkreis hinaus bekannten Menschen. Da sind schon Stadträte rar wie weiße Raben.

Ganz sicher ist die Freimaurerei längst nicht so wichtig wie sie sich nimmt, urteilt wieder der Herr Corissen und der muss es ja wissen. Er erinnert sich, dass jede Vernissage einer Stadtsparkasse auf breitere Resonanz gestoßen sei als die Verleihung des Kulturpreises der deutschen Freimaurei in Köln an Hans Küng.
 
Der erstarrten, zum Wandel aus sich heraus unfähig scheinenden „regulären“ Freimaurerei sind fast alle Züge davon gefahren. Es scheint so, als würde es sich mit der „regulären“ maskulinen Freimaurerei ebenso verhalten, wie mit vielen Erscheinungen von Organisationen und Menschen: erst nach dem Verbleichen der Tatsächlichen entstehen ruhmreiche und geglättete Legenden, denen idealisierend nachgeeifert wird.
 
Die Legenden werden mit der Zeit, anstelle der peinlichen Realität, immer prächtiger ausgeschmückt dargestellt. Die Legendenbildung und deren Pflege reproduzieren eine neue Schicht von Nachahmern, die nachzuspielen versucht, was sie von den Legendenbildern wahrnimmt. Sie spielen die Legenden und vernachlässigen ihre tatsächlichen und lebenspendenden köstlichen Quellen. Dabei könnten sich viele Menschen an diesen immer wieder frischen Quellen laben.
 
Freimaurerei heute, ist bestenfalls Brauchtumspflege wie sie, aber dann mit Freude und Heiterkeit, Trachtenvereine und  Mittelalterspiele ausüben. Lebhafte geistige Freiheit, sinnstiftende Kritik, kraftspendende Empathie, tiefe Suche nach Erkenntnis und Wissen, ihre Gemeinschaft festigendes künstlerisches oder musikalisches Erlebnis, die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Gegenwart und deren Formen, die Aufgabe zum sozialen Denken und Handeln,  prägen die „reguläre“ maskuline Freimaurerei in Deutschland längst nicht mehr. Weder die Moderne, noch die Postmoderne wird von ihnen wenigstens wahrgenommen, wenn schon nicht angenommen.

Wer im deutschen Internet sucht findet 50 000 Einträge. Thema ist meist die Lobpreisung des eigenen Bauchnabels. Dabei kommt das Spiegelbild des Narziss in Erinnerung. Heute ist das weniger als eine philosophischer Schrebergartenverein für Kleingeister und Großmeister. Ein Traditionalistenclub, der sich zur Aufklärung zählt, deren Prinzipien aber im eigenen Umfeld nicht gelten läßt.  Aber das kann und wird sich ändern.
 
Auch ihre spekulative Wurzel, die Suche nach jenseitigen Imaginationen, transzendenten Erörterungen und der Sinnsuche in mythischen Bildern ist fast verdorrt. Übrig geblieben sind wabernde Mutmaßungen. Spektulative Maurerei heißt heute von dem Kult der Brahmanen, der Osiris Legende und der Eleusischen Mysterien, der Kabbala, der Gnosis, den Essenern, dem Mithras Kult und den keltischen Druiden mehr labern als sich damit zu beschäftigen.

Sie kümmern sich nicht einmal rückwärtsgewandt und entschieden konservativ mit Energie um ihre alten Wurzeln. Stattdessen: Selbstzensur und Lethargie.  Die moderne Freimaurerei, aufgestiegen in der Aufklärung, gewachsen in der Zeit der Romantik, liegt ebenso unter der Asche. Der Zeit der impulsiven Moderne, ist von den Freimaurern wohl nie gesucht oder verstanden worden. Die Toleranz der Postmoderne, die ihnen näher sein müsste, wird verwirrt verschlafen. Sie pflegen stattdessen rückwärts gerichtete Legenden, wie das Grab ihres „königlichen“ Bruders Friedrich der Große genannt. Der hätte, könnte er zusehen dabei, nur spöttisch verächtlichen Sarkasmus für sie übrig.  
 
Das große Interesse an Freimaurern zeigt sich in Büchern, Filmen und Berichten. Aber die Neugier gilt den Legenden, nicht der heutigen Freimaurerei. Tatsächlich steht das Interesse an den Freimaurern im objektiven Gegensatz zu ihrem gegenwärtigen Zustand. Die Legenden, und sehr eingeschränkt ihre tatsächliche Vergangenheit, berichten von glanzvollen Momenten und aufregenden Zeiten. Dagegen steht eine bräsige, spröde und schnöde Gegenwart: Starrsinn, Erschlaffung und Bedeutungslosigkeit kennzeichnen die Freimaurer heute. Die Anzahl der Veröffentlichungen über sie, übersteigt wohl massiv die ihrer Anhänger. Nur noch 0.01 Prozent der Deutschen sind Freimaurer. In ihren Reihen befindet sich niemand mehr, der in Eliten der Politik, Kultur, Gesellschaft oder Intelligenz etwas zählt oder etwas zu sagen hat, ganz zu schweigen von denen, die künftig etwas zu sagen haben könnten. Ihre Themen gleichen monotonen Gebetsmühlen, die der Wind antreibt, nicht eigene Energie und Lust auf Weitsicht und Erkenntnis.  Der Einfluss der Freimaurer in Deutschland entspricht wohl exakt ihrem Anteil an der Bevölkerung.
 
Der Glanz für und von Namen, die Furcht und Verwirrung über ihre Rolle, ihren Ruf, ihr öffentliches Image, der sich derzeit aufbläht wie ein Luftballon, baut auf schillernde Legenden. Wie es mit den  Sagen von Robin Hood aus dem Sherwood, dem bayrischen Freischütz Jennerwein oder jenen vom Schinderhannes in den Wäldern der Rhön fern der Wirklichkeit geschah.
 
Die Verschwörungstheorien ihrer „Feinde“ darunter Rassisten, religiöse Eiferer, machthungrige Potentaten, haben zu ihrem Ruf mehr beigetragen als es ihre tatsächliche Bedeutung erlauben würde. Das allein wäre schon richtig gut. Wenigstens auf der richtigen Seite, bei den historisch Bestätigten, der Seite von Gewaltverachtung und menschlicher Freiheit zu stehen, ist viel und hoch anerkennenswert.

Schon der Ahnherr der englischen Freimaurerei, die bis heute darüber weltweit zu entscheiden sich anmaßt, wer und was "regulär" ist, Der Reverend James Anderso hat nach Gründung der englichen Großloge, das komplette Archiv mit allen Aufzeichnungen über freimaurische Historie vernichtet. Da war nichts vor ihm und den seinen. So beginnt eine ganze Lehrart mit dem Vertuschen und der Wahrheitsfälschung. Was man von Aktenvernichtern zu halten hat, weiß inzwischen jeder. Akten werden vernichtet aus Angst. Ein ganz und gar unfreimaurisches Motiv.

Es wird von einem Ethos der Humanität gesprochen. Wie die Freimaurer und Gründer des Roten Kreuzes Henri Dunant und Natan Söderblom oder Albert Schweizer, nach dem schon Logen benannt wurden, obwohl er keine Minute Freimaurer war. Praktisch findet soziales Engagement der Freimaurer nicht statt. Als eine Großloge einmal eine Erklärung gegen Ausländerhaß abgeben wollte, hat ein Bruder begeistert von dem Elan der Brüder, den Vorschlag gemacht, die Asylanten aus dem 300 m vom Logenhaus entfernten engen Baracken für Asylanten, an Ostern in den Park hinter dem Logenhaus einladen sollte an Ostern zum Grillen, brach eine hektische Diskussion aus. Ergebnis: keine Erklärung. So ist das heute oft bei Freimaurern. Aufgeblasene Worthülsen von sich aufblasenden Brüdern. Dann kommt nichts.  
 
Die real wahrgenommenen Ergebnisse von Ideologien und deren Folgen, tauchen Freimaurer oft und zu oft in unverdientes mildes und weiches Licht. Vielfach findet eine Umkehrung der Feindbilder statt. Wer von Rom bekämpft und scheinbar von den Nazis verfolgt worden ist, muss ja was Gutes gewesen sein. Oder? Wen der stramm nationalkonservative Feldmarschall Ludendorff - im Felde nach eigener Legende unbesiegt, real von den Nazis gemieden und kaltgestellt bzw. seine fanatische Frau - bekämpft hat, muss doch auf der guten Seite gestanden haben. Dabei war Ludendorff deshalb so erzürnt, weil sein eigener Antrag auf Aufnahme in die Bruderschaft der königlichen Kunst abgewiesen wurde. Kein Wunder, dort hatten die Hohenzollern prägenden Einfluss.
 
Doch auch die Verfolgung durch die Nazis oder in der DDR, ist nichts als eine Legende und hält keiner näheren Betrachtung stand. Die bösen Nachstellungen, Jagden auf Andersdenkende, mit schrecklichen unaussprechlichen  Opfern und Leiden von einzelnen Menschen und Familien unter diesen Systemen, galten meist nicht deren Eigenschaft als Freimauer oder der Zugehörigkeit zu den Bünden der Freimaurer. Das war nicht der Grund für die Verfolgungen. Viele der vorgezeigten Opfer, die Freimaurer waren, sind in den Augen ihrer freimaurischen Zeitgenossen niemals als reguläre Freimaurer angesehen gewesen. Erst nach dem Krieg.  Da erscheinen Ausstellungen wie jüngst 2008 in Chemnitz über „Antimasonische Ausstellungen im Dritten Reich“ wie eine Kafkaeske. So etwas ist entweder ein unhistorischer „Schmarrn“ oder eine vorsätzliche Täuschung, geduldet nur von Wissenden um dieses Thema.
 
Nach freimaurischer Lehrart unterliegt alles, was lebt, ständigen Wandlungen. Ein Mensch wird, lebt und vergeht und erscheint wieder. Dasselbe gilt für alle Leben auch für menschliche Vereinigungen, wie es die Freimaurer sind. Die Freimauerei befindet sich wohl auf der Stufe des Vergehens. Ob sie wiederkommen? Sicher, ganz sicher, unersetzbar nötig, gebraucht und ersehnt. Sie werden als Metamorphose und nicht als Exploration ihres gegenwärtigen Zustands wiederkommen und aufsteigen.
 
Alle geistigen, religiös - kirchlichen und sozialen Formen, Gruppen, und Bünde entwickeln sich innerhalb der Metamorphosen, den Wellenbewegungen, den Entwicklungen, Verwandlungen und den Energien der jeweiligen Gesellschaften, zu denen sie gehören. Ihr Werden und Wachsen, ihr Leben und Sein, ihr Vergehen und Wiedererscheinen hängt in jeder Weise ab von den sich wandelnden Bedingungen ihrer Existenz, ihrer Fähigkeit, Form und Inhalt im Kern zu bewahren und sich insgesamt diesem ständigen Wandel anzupassen. Der Satz stammt aus den Quellen des freimaurisches Wissen oder der eigenen Erkenntnis, die für sie, für sich selbst nicht zu gelten lassen. Freimaurerpraxis heute entspricht der Weigerung des katholischen Bischoffs Lefebvre in der römisch katholischen Kirche, die Reform der katholischen Liturgie in den Kirchen zu vollziehen. Stattdessen soll die vergangene Form reaktiviert werden. Mit den restlich übriggebliebenen Freimaurern verglichen ist die römische Kurie hochmodern und dynamisch nach vorn gerichtet.
 
Die Freimaurer heute: unter ihnen tummeln sich in der Mehrzahl die reinen Nachahmer von Legenden, die selbst weder maurische Erkenntnis suchen oder wollen. Im besten Fall suchen sie Geselligkeit, rituelles Spiel und Brauchtumspflege wie an den „Störtebeckertagen“. Sie geben sich selbst wohl dem Glauben hin, jemand an ihrer, ihnen völlig unbekannten Spitze in England oder anderswo im nur gewisperten, soundso vielten Erkenntnisgrad, kenne eine zeitlose Wahrheit. Manche hoffen dabei, diese Erkenntnis würde irgendwann bei eifrigem Bemühen, über sie hereinbrechen wie ein Blitz. Der größere Teil tut dabei aber so, als wäre dieser Blitz der Erleuchtung schon über sie gekommen. Das erinnert an das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“, gedichtet und gesammelt von den Brüdern Jakob und Wilhelm Grimm.   Köstlich, wie alle Hofschranzen in dem Märchen, die Schönheit und Qualität der Stoffe, die der König trägt, anpreisen und in höchsten Tönen loben und besingen, die sie, weil er keine Kleider trägt, in Wahrheit gar nicht sehen können aber für jemand gehalten werden wollen, die sie sehen. „Narrenspiel“ wäre noch ein Kompliment dafür. Es sind nur wenige noch an dem Erkenntnisgewinn und einem geistigen Austausch interessiert und aktiv dabei.
 
Die Anpassung an die Wandlungen der Gesellschaften freilich ist mehr als unnütze Energieverschwendung. Sie könnte der Freimaurerei zu einer neuen Blüte verhelfen. So wird eben in Lethargie und Ritualeinhaltung verharrt, als käme irgendwann der „letzte Tag“ und die Erkenntnisse, wenn man weiter oder nur lange genug darauf wartet.
 
Viele der heutigen Freimaurer versuchen sich im Glanz der edlen Geister vergangener Freimaurerei zu sonnen. Die Freimaurer insgesamt schmücken sich mit ihnen bzw. den Legenden über sie. „Schon Lessing, Mozart ja sogar Goethe waren Freimauer", meint mit stolz geschwungener Brust, Sparkassenfilialleiter Hans Wichtigtuer aus Hamburg – Barmbek oder Steuerberater Dr. Fürzle aus Stuttgart - Cannstatt und fühlt sich, wie der Lord von Barmbek oder der Weise vom Neckar. Gutmensch eben, weil auf der Seite der Guten. Von den Lions und Rotariern wurden sie vielleicht nicht aufgenommen. Diese Organisationen, ohne lästigen Überbau, weisen nicht auf vorzeigbare Menschen der Vergangenheit hin. Brauchen sie auch nicht, denn sie haben gegenwärtig hoch angesehene Mittelschichtleute, Lebende, mit Einfluss und Vermögen.
 
Der auch noch heutzutage als Freimauerer und Namensgeber für einzelne Logen bemühte Gotthold Ephraim Lessing war in Tat und Wahrheit kein Freimaurer nach deren eigenen Gesetzen und wurde von ihnen auch nicht als ein solcher erkannt. Bis heute wird in jeder Logenversammlung die Freimaurereigenschaft in einem Frage und Antwortspiel: „Bist Du ein Freimaurer“ und der Antwort: „Meine Brüder erkennen mich dafür“ begründet mit dem Erkennen der Freimaurereigenschaft der anderen Brüder. Lessing haben sie nicht anerkannt. Erfolglos hat er sich häufig und vielerorts um Aufnahme bemüht und angebiedert, eigens Gedichte und Schriften über Freimaurerei verfertigt. Er wurde wohl nicht als einer gesehen, der frei und von gutem Rufe war und passte nicht zur selbstgefälligen bürgerlichen und adligen Gesellschaft seiner Zeit. Mit dem Hamburger Freimaurer aus der Loge „Absalon“, Johann Joachim Bode gründete er eine gemeinsame „Buchhandlung der Gelehrten“. Bode war Illuminat, eifriger, eifernder und glühender Anhänger der sogenannten „Strikten Observanz“ des Freiherrn von Hund. Von Hund hatte mit der „strikten Observanz“ ein verwirrendes sogenanntes Hochgradsystem geschaffen, in Anlehnung an die Legenden von Ritter und Templerorden. Bode lehnte Lessing als Freimaurer ab und betrieb dessen dauernde Nichtaufnahme. Bode zog später nach Weimar und leitete die Lichteinbringung der dortigen Loge „Amalie“.
 
Im hohen Alter wurde Lessing von einem preußischen Hauptmann. Georg Johannes Freiherr von Rosenberg, einem dubiosen Mann, der gegen bares Geld Freimaurerurkunden seiner Winkelloge (nicht reguläre, nicht anerkannte Loge) „Zu den drei Rosen“ verkaufte, in dessen privater Wohnung, im Esszimmer, aufgenommen und hurtig zur gleichen Stunde bis in den Meistergrad befördert. So etwas ist, nach eigenem Recht, bis heute vollkommen irregulär und unakzeptabel bei den Freimaurern. Trotz alledem rühmen sie heute Lessing als einen der ihren und heften sich dessen Werk selbstschmeichlerisch ans Revers. Eine fragwürdige Praxis.
 
Mozart gar, brachte es bei den Freimaurern nur bis in den Gesellengrad, der des Meisters, mit dem der Mensch eigentlich erst zum Freimaurer wird, wurde ihm versagt. Er komponierte, gegen gutes, dringend benötigtes Honorar,  mehrere Freimaurerlieder und Stücke der Freimaurermusik. Mozart wurde einige Jahre als Mitglied der Forschungsloge „Zur Wohltätigkeit“  geführt. Das war eine Loge im Geiste der Illuminaten, des von den Freimaurern verfemten Ingolstädter Professors Adam Weishaupt. Die Loge „Zur Wohltätigkeit“ wurde nach dem Illuminatenverbot umbenannt als Loge „Zur neugegründeten Hoffnung“.
 
Der Illuminatismus war der radikalen, umstürzlerischen Aufklärung verschrieben. Man benutzte statt Namen zugeteilte Pseudonyme. Es mussten strengste Regeln befolgt werden. Schwere Strafen wurden verhängt bei Ungehorsam gegenüber den Logen, ja man spricht von Fememorden bei Geheimnisverrat. Die Illuminaten kannten scharfe Gewissenkontrollen, unterhielten eine Weisheitschule, einen Geheimdienst und vieles mehr.
 
Die Illuminaten dieser Zeit sind sicher sehr gut vergleichbar heutzutage, auch auf anderen Feldern, mit den Scientologen des Ron Hubbart. Sie versuchen zum Zwecke der Verbreiterung ihrer Botschaft, sich der Talente von jungen ehrgeizigen Künstlern zu bedienen, wie zum Beispiel des Hollywood Mimen Tom Cruise. Auch sie haben Gesinnungsschulen, arbeiten an der Erhöhung des Menschen usw.
 
Bis heute verbreitet die einschlägige Szene der militanten Verschwörungstheoretiker in aller Welt, hinter dem amerikanischen Präsidenten George Washington verberge sich in Wahrheit Adam Weißhaupt, der dessen Gestalt und Aussehen angenommen habe. Die „regulären“ Freimaurer lehnten und lehnen alle Formen und Spielarten des Illuminatismus, absolut angewidert, total als Irrweg scharf ab.
 
Die Loge, in die Mozart eintrat, war eine Tochterloge der bekannten Wiener Loge „Zur wahren Eintracht“ der auch Joseph Haydn angehörte. Sie wurde während der kurzen Freimaurerzeit der Mozarts, von dem Hofrat Ignatz Edler von Born geführt. Von Born war ein bekennender Illuminat. Diese Kontakte zu hohen Auftraggebern und der noblen Wiener Gesellschaft konnten den Mozarts nur nützen.
 
In der Loge „Zur wahren Eintracht“  traf und hörte er zwei Vorträge von Carl Leonhard Reinhold und dem Meister vom Stuhl Ignaz Edler von Born mit dem Illuminatennamen Decius „Die hebräischen Mysterien oder die älteste religiöse Freymaurerey der Welt“ und webte aus diesem Stoff die begnadete Oper „Zauberflöte“. In diesem Zusammenhang wurde er aus dem Freimaurerbund rausgeworfen mit dem Vorwurf des „Geheimnisverrats“. Bei genauem Hinhören kann sein leiser Spott über manche Heucheleien, in manchen Textteilen in seinem Werk erkannt werden. Die Figur des „Zarastro“ soll seinem Eindruck über den Herrn von Born sehr ähnlich sein.
 
Die Freimaurer haben später, lang nach Mozarts Rauswurf aus der Loge und seinem Tod, das Genie Mozart, trotz des Rauswurfs aus der Freimaurerei, der Nichterhebung zum Meister, der Nähe oder Verbindung zu den Illuminaten wie von Born als einen der ihren vereinnahmt. In seiner Zeit war seine Loge nicht als regulär arbeitende Loge betrachtet und des Illuminatentums verdächtigt. Das störte nachher wohl niemanden bei der Verbreitung der Legende um den „Freimaurer“ Mozart und die Benennung von Logen nach ihm. Ein zweifelhaftes Vorgehen.
 
In Mozarts Zeit waren Komponisten angewiesen auf „Lohnaufträge“ von Adligen, Kirchen, Verbindungen und Zusammenschlüsse aller Art. Solche in Auftrag zu geben, gehörte sich damals und war ein Zeichen von Noblesse.  Der Komponist musste nicht die Sache seines Auftraggebers teilen. Daraus kann eine innere Beziehung Mozarts zur Freimaurerei nicht zwingend abgeleitet werden.
 
So bleibt nur ein Brief, – als einzig übriggebliebener von vielen andern, die verbrannt sein sollen - den Mozart an seinen Vater geschrieben hatte und in dem er den zweifelnden Vater aufforderte ebenfalls wie er der Loge“ Zur Wohltätigkeit“ beizutreten, nicht, allgemein der Freimaurerei. Nicht wenige sahen in den Freimaurern bzw. den Illuminaten die Drahtzieher seiner tödlichen Vergiftung. Bei näherer Beschäftigung auch mit Mozart und mit seiner tatsächlichen freimaurischen Biografie findet man viele Fakten, aus denen leicht sichtbar der Unterschied von gefälliger Legende und Wahrheit wird.
 
Der in seiner Eigenschaft als Dichter zweifellos und uneingeschränkt, größte Deutsche überhaupt, der je mit einem Schurz bekleidet eine deutsche Loge betreten hat, war Johann Wolfgang von Goethe. Seine innere und äußere Freimaurereigenschaft- und Geschichte ist, im Lichte der Tatsachen gesehen, ebenso umstritten, fragwürdig wie zwiespältig.
 
Zu Goethes Zeiten gab es ein Machtspiel zwischen den Geheimbünden wie der Freimaurerei und dem der Geheimräte. Beide, die geheim tagenden Freimaurer und die geheim tagenden und beratenden Geheimräte, hatten völlig entgegen gesetzte Aufgaben, Sichtweisen und Vorstellungen. Die Geheimräte handelten stets im Staatsinteresse bzw. dem der Herrschaftsfamilien. Die Freimaurer hatten humanitäre Ziele. Beides war auf vielen Feldern und bei Konflikten unvereinbar. Als Goethe zum Geheimrat ernannt wurde, wollte der Staatsminister des Inneren Friedrich Freiherr von Fritsch von seinem Amt zurück treten.
 
Die Weimarer Loge trug den, für eine Freimaurerloge sehr ungewöhnlichen, weil weiblichen Namen Amalie, genannt nach der von Goethes lebenslanger, als er sie zum ersten Mal traf, nicht unüberwindbar älteren Gönnerin Herzogin Amalie. Sie war die junge Witwe des verstorbenen Landesherrn, lebensfrohe Mutter des späteren Landesherrn Karl August, Goethes Freund seit gemeinsamen Studientagen und sein Dienstherr. Amalie war die Begründerin des Weimarer „Musenhofs“, führte in dem doch kleinen Land Weimar mit seinen knapp 30 000 Einwohnern, ein Kulturleben ein, das später zur „Weimarer Klassik“ wurde. Goethe pflegte zu Amalie sehr intensive, innige und vertraute Beziehungen hinter dem Schirm der damals unüberwindlichen Etikette.
 
Meister vom Stuhl der Loge Amalie, die aus einer Jenaer Loge „Zu den drei Rosen“ hervorgegangen sein soll, war der genannte Freiherr von Fritsch. Er aber lehnte die Aufnahme von Goethe in die Loge Amalie vehement ab. Die Loge umfasste ungefähr 20 Mitglieder.  Als Goethe dann, entgegen dem Willen des Freiherrn, am  23. 6. 1780 aufgenommen wurde, legte von Fritsch den Hammer nieder und übergab die Hammerführung dem inzwischen nach Weimar umgezogenen Verleger Johann Joachim Bode. Dem eifrigen Illuminaten, der sich weiland gegen die Aufnahme Lessings ausgesprochen hatte. Bode betätigte sich auch als Verleger für Goethe.
 
15 Monate später, wurde Goethe zum Meister erhoben. Doch schon wenige Wochen nach dieser Erhebung und ohne einen weiteren Besuch von Goethe in der Loge, wurde die Loge Amalie geschlossen und blieb geschlossen bis 1807 also 25 Jahre lang. Während der gesamten politischen Regentschaft von Goethe in Weimars Politik war die Freimaurerei in Weimar verboten!
 
1782 trat Goethe in den Illuminatenorden ein und bekam das Pseudonym  „Abaris“ als Name.  
 
1807, fünfundzwanzig Jahre nach der Schließung der Weimarer Loge und dem Verbot der Freimaurerei, war Goethe als Gutachter vom Herzog Karl August berufen worden. Dem Gutachten ging ein Gesuch voraus mit dem Inhalt, in Jena die Gründung einer Freimaurerloge zu genehmigen. Im Gutachten lehnte Goethe diese Genehmigung ab. Unter anderem mit dem Hinweis auf demokratische Umtriebe.   
 
Der umtriebige Bertuch, der sich 26 Jahre zuvor von Johann Joachim Bode nach bösem Streit in der „alten Loge“ mit anschließenden Eklat getrennt hatte, konnte unter den Schutz der Hamburger Großloge und dem Einfluss des Dichters Christoph Martin Wieland, Prinzenerzieher und der Aufklärung verschrieben, am 24.10.1808 also 44 Jahre nach ihrer ursprünglichen Gründung, am Geburtstag von Herzogin Amalie, die nach ihr benannte Loge wiederbeleben. Im Alter von 76 beantragte er die Aufnahmen.
 
Goethe, der niemals am Logenleben teilgenommen hatte, wurde jedoch noch in den Annalen als Mitglied geführt. Er beantragte, ihn, inzwischen weltbekannt geworden, wegen Überlastung zu beurlauben. Sein Antrag wurde angenommen. Erst am Ende seiner diesseitigen Lebenszeit erinnerte er sich mit der Milde des Alters daran, dabei hatte er sich weiland in die Jenaer Loge eingeschmuggelt, um üble „Demokratieumtriebe“ zu überprüfen. Mit der königlichen Kunst hatte er wohl weniger zu tun als die Freimaurer ihm nach seinem Tod angedichtet haben.
 
Das Erkennen des ständigen Wandelns, das ewige Gesetz von Werden, Sein und Vergehen ist eine Denksäule der Freimaurer. Doch für ihre Organisation lassen sie diese eigene Erkenntnis scheinbar nicht gelten. Betonharte Unbeweglichkeit, Verweigerung der Wahrnehmung der Entwicklungen des Umfelds und Anpassung an den Wandel finden nicht, nicht einmal verspätet, statt. Wo es geschieht, wird es ignoriert oder entfernt mit dem „heiligen Schwert der Regularität“ oder der gelassenen Reaktion, Kritik an ihnen entstamme vernachlässigbaren Verräterschriften.
 
Kritik, die Bereitschaft kritisiert zu werden, ist ein Grundprinzip der demokratischen Staatsform. Enthusiasmus und Führungskult fundamental sind für autoritäre Regime. Die inhaltliche Ignoranz dieses Wesens der Staatsform für sich selbst und eben nicht nur die Toleranz ihr gegenüber, wäre schon allein und für sich genommen, ein wichtiger Stein an dem Freimaurer arbeiten können. Das Prinzip, nach dem „Verfassungen und Herrschaften vergehen – Freimaurerei bleibt und ist ewig" kollidiert mit dem Prinzip der Entscheidung zur Freiheit. Das ist ebenfalls ein Grundprinzip der Freimauer. Der Konflikt mit sich wird nicht nachhaltig gewagt, vor allem dann nicht, wenn die Regularität, die ohne demokratische Legitimation herrscht, wie eine gedankliche Selbstzensur wirkt. Freimaurer blühten auf mit der Bildung von Nationalstaaten, dem europäischen Gedanken folgen sie für sich nicht. Stattdessen Gelehrtenstreit, Auslegungsherrlichkeit und Ausgrenzung. So werden zum Beispiel Logen an der Grenze zu Frankreich wegen Kontakten über die nicht mehr existierende Grenze gerügt und mit Ausschluss bedroht. Eine anachronistische Zuckung der besonderen Art.
 
Gefragt wäre nicht „Zeitgeistsurfen im Rhythmus der Moden“, gefragt wäre die Anerkennung und Akzeptanz des äußeren Fortschritts und des Wandels um sie herum.  Dabei stehen ihre inhaltlichen Werte, die verwendeten Muster im krassen inneren Widerspruch zur eingeübten Praxis. Auf maurischen Kernfelder wie: Toleranz, Bruderliebe, Menschenliebe, geistige Veredlung und Willen zu guten Taten gäbe es einen weiten Horizont für sie. Doch scheinbar verharren die Fans der „königlichen Kunst“ im Blick auf sich selbst wie die freimaurischen Lehrlinge. Schon die nächste Stufe, den Blick um sich herum, leisten sie sich für sich selbst als Organisation und Wertegemeinschaft schon lange nicht mehr. Vom Blick des freimaurischen Meisters –über sich- ganz zu schweigen.
 
Bedürfnisse und Sehnsüchte nach sozialer Zugehörigkeit hängen mit den Rahmenbedingungen und dem Konsens innerhalb eines politischen und sozialen Systems zusammen. Diese Nachfragen kennen einerseits historische und kulturelle Wurzeln, andrerseits Wünsche nach Teilhabe und Teilnahme innerhalb der herrschenden Bedingungen. Mit jeder gesellschaftlichen Epoche wandeln sich diese in Form und Inhalt. Gesellschaftliche Veränderungen decken oder wecken jeweils andere Bedürfnisse. Das führt zu Brüchen und Umbrüchen in den Gesellschaften und müsste zwangsläufig auch für die Wertege-meinschaften und auf  die, auf ein Ziel ausgerichteten Vereinigungen und Zusammenschlüsse innerhalb dieser Gesellschaften zu solchen führen. Es wäre eigentlich ein freimaurisches Prinzip mit der Lernfähigkeit auch die Lebensfähigkeit zu garantieren. Die Praxis ist anders.
 
Da die Lernfähigkeit und eine solche fördernde Diskussion aber in Tat und Praxis bei den meisten Formen der Freimaurerei weder gefragt noch gegeben, in vielen ihrer Denkrichtungen (Obödienzen) auch  nicht zulässig und gewollt sind, erlischt die Nachfrage nach ihr bei allen kritischen Menschen und lockt solche an, die im Kern ihrer Überzeugungen ewig Gestrige oder prinzipielle Nachahmer sind und sich vor Veränderungen generell fürchten. Stattdessen fühlen sie sich besonders wohl in festen, scheinbar unerschütterlichen, Rahmenbedingungen.  Sie unterlaufen damit und oft ohne es zu wollen, die maurischen Ideale auf Dauer. Sie verharren in Formen ohne Inhalt oder lediglich postulieren Inhalten, verstecken sich hinter knöchernen Ritualen und an Kostümfeste erinnernden Zauber aus der Zeit des Historismus. Damit wird das Wesen der Freimaurerei verändert, wegen der mangelnden Bereitschaft zum Wandel und gebändigt auf Brauchtumspflege beschnitten.
 
Eines Brauchtums dabei ohne Beachtung der eigenen Wurzeln in der eigenen Vergangenheit. Erstarrt im Rückblick. Das Brauchtum beschränkt sich auf Formen, deren Inhalt verloren scheint. Gepflegt wird nicht mehr der Disput, die geistige Auseinandersetzung, das kulturell offene Leben, die Akzeptanz anderer und veränderter Lebensbedingungen. Ergebnis: die wenigen, die noch angezogen werden, setzen meist die für die Entwicklung der Freimaurerei falschen Akzente und die anderen bleiben weg, verharren untätig in Mitgliedschaften, resignieren. Übrig bleiben häufig nur die Wichtigtuer, die maurische Bekleidung und Ausdrucksformen für Freimaurerei halten, die Ritualfetischisten und die Satzungsathleten. Die Praxis der Freimaurer heute, wird keinem ihrer Ziele und Überzeugungen gerecht, sie ist schemenhaft und ohne jedes Hinterfragen, ohne Anpassungsdiskussion über neue Denkweisen, Erfahrungen und Erkenntnissen.
 
Dabei ist die Geschichte, Entstehung und Entwicklung der Freimaurer eine Geschichte der ständigen Veränderungen, der Dynamik, der Flexibilität, der unterscheidbaren Merkmale. Freimaurerei bezeichnete einen Raum in dem „vieles möglich war“ und in dem alles gedacht und ausgedrückt werden konnte. Diese Offenheit für Vielheit kennzeichnete den Charakter der Freimaurerbünde. Der Freimaurertheoretiker Hoehmann, dem viele Gedanken, Zitate und Denkstrukturen als wichtige, wesentliche Impulse in dieser Schrift gedankt sind, hat diesen Raum richtigerweise als „undefinierbar, bei wieder zu erkennenden Strukturen und Regeln", bezeichnet. Gerade dieser undefinierbare Raum schaffte eine heute nicht mehr vorhandene Anziehung. Der heutige Zustand der Freimaurerei hätte keinen denkenden Geist, keinen schöpferischen Menschen, keinen die Fesseln seiner Herkunft sprengenden Menschen angesprochen. Seit die Freimaurer selbst diesen freien Raum trocken gelegt haben, gibt es auch keinen Zulauf zu ihr von diesen Menschen. Sie bildeten die „Hefe“ des Bundes, der dadurch treiben konnte.
 
Die vier „idealtypische Merkmale" der freimaurischen Grundstruktur waren:
 
1.       Das Merkmal, die, durch verschwiegene Rituale geschützte und als Lebensbund entworfene Gemeinschaft, mit dem für sie konstitutiven „maurerischen Geheimnis",
2.       Das Merkmal von Wertebildern aus der Aufklärung. Zielbeschreibungen dabei waren die des Humanismus, verbunden mit Begriffen wie Menschenliebe, Brüderlichkeit, Duldsamkeit (Toleranz) und Gottesfurcht. Es wurde auf „Einübung" dieser Werte in der Logenpraxis gesetzt.
3.       Das Merkmal der Initiation, also des Prinzips der stufenweisen Einführung, bildhaft bezeichnet als Erkenntnisstufen und dem dahinter stehenden also gewissermaßen metaphysischen Charakter der Rituale.
4.       Das Merkmal einer Hermetisch-Esoterischen Erweiterung und später mit der Schaffung von Hochgradsystemen durch Rittersymbolik sowie eine überhöhte Bausymbolik.
 
So entwickelte sich Freimaurerei als Angebot für freie Menschen, freie Gedanken und neue Konzepte von Gesellschaften, Staaten und Wirtschaften, in der Form eines Freundschaftsbunds, ethisch orientiert und als undogmatische Gemeinschaft. Davon ist sie heute meilenweit entfernt.
 
Das Merkmal der Rituale und das der Wertebilder wurde wohl infolge der, besonders in der preußischen Freimaurerei nachträglich im Zwielicht stehenden Handlungen, verödet, eingepasst und konfliktvermeidend gestaltet, gewissermaßen neutralisiert. Eine offene Auseinandersetzung mit diesen Vorgängen in der Freimaurerei und deren Anpassung an die Nationalsozialisten wurde vermieden, in die hinteren Räume der Freimaurerforschung geschoben, verniedlicht und übertüncht mit dem Vorzeigen der Geschichte von verfolgten Freimaurern im Dritten Reich.
 
Dabei waren die Verfolgten meist keine Freimaurer im regulären Sinn sondern gehörten Freimaurerbünden an, die von den „Regulären“ als Winkellogen bezeichnet und deren Mitglieder verachten waren. Die Verfolgten waren Menschen, die von den „regulären“ Logen in dieser Zeit niemals akzeptiert wurden, nicht einmal eine Begegnung mit ihnen war wohl möglich. Alle Bänder der Zeitschrift „Die Leuchte“ aus dieser Zeit geben schandhaftes Zeugnis darüber.
Manche wissen heute nicht, was schwerer wiegt, die im Gehorsam vorauseilenden Anpassungen vieler Logen in den letzten 20er Jahren und den anfänglichen 30ern oder der Missbrauch des Schicksals von Menschen, die vorher gemieden waren, wie Carl von Ossietzky, als Zeugen dafür, dass die Freimaurerei zu den Opfern zu zählen sei. Dafür gibt es zu viele Dokumente um eine solche Vermutung aufrecht zu halten.
 
Die Nazis haben  sich vor der deutschen Freimaurerei nicht gefürchtet. Warum auch? Die Freimaurer hatten sich häufig vorher umbenannt in deutsche Orden etc., das war schäbig wenn es Tarnung war, bedenklich, wenn es sich um geistige Annäherung gehandelt hat.  Nachträglich, nach dem Untergang der faschistischen Diktatur, wurde diese Hingabe an den neuen Geist des neuen Reiches umgedichtet in allenfalls zweifelhaftes taktisches Verhalten, um die Freimaurerei irgendwie zu erhalten. Das ist blanke Geschichtsfälschung. Ein hoher Freimaurermeister, Freimaurer bis zu seinem Tod in den 50er Jahren, war Hjalmar von Schacht, Hitlers Finanzminister. Es gibt einfach zu viele böse Beispiele, denen leider nur wenige wirklich gute Beispiele aus den Reihen der „regulären“ deutschen Freimaurerei entgegenstehen.
 
Vielleicht rächen sich heute irgendwie und indirekt die jahrzehntelangen Weigerungen der Freimaurergroßlogen, diese Tatsachen anzuerkennen, zu ver- „arbeiten“ und sie neben die Schicksale  derjenigen Freimaurer, die gegen die Nazis gestanden haben, zu stellen.
 
Den Ausschlag zur Eingliederung der Freimaurerei unter die allgemein geltenden Regeln der Gleichschaltung und damit ihres Verbots trotz vieler Versuche und unterwürferischen Bitten, die Freimaurer davon zu verschonen, war wohl mehr der feindlichen Einschätzung der ausländischen Freimaurer in Großbritannien, Frankreich und den USA geschuldet. So wie diese gesamte Epoche die dunkelste Zeit Deutschlands war, war sie es auch bei den Freimaurern. Alles andere ist nachträgliches Gesundbeten und wirft düstere Schatten. Da hilft auch keine Ausstellung über die antimasonischen Aktivitäten der Ludendorff - Nazis, wobei es sich bei Ludendorff ja um keinen Nazi sondern um einen extremen, völlig verblendeten Deutsch- Nationalen gehandelt hat, so was ist allenfalls rührend bemüht. Die Freimaurer waren kein geistiges Bollwerk gegen Rassismus, dogmatische Intoleranz, und Massenmord an Juden und Andersdenkenden. Sie haben nicht mehr und nicht weniger Zivilcourage und  Aufrichtigkeit gezeigt als die meisten Deutschen, die kritisch gegen die Nazis eingestellt waren, so sie sich nicht als Duldender der Bewegung verhalten haben. Die deutschen Freimaurer waren nicht besser und auch nicht schlechter als es alle Deutschen waren. Sich dieses einzugestehen, fällt ihnen bis heute schwer.
 
Die deutschen Freimaurer haben sich dann in der Folge der Entwicklungen in Deutschland nicht mit den gesellschaftlichen Wandlungen in Deutschland hin zur offenen, toleranten Gesellschaft und in Europa zur Gemeinschaft der freien Völker weiterentwickelt, sie sind erstarrt.
 
Das ist umso betrüblicher als es sich dabei um eine Entwicklung der Gesellschaft im Sinne der freimaurischen Grundwerte gehandelt hat. Stattdessen erstarren undefinierbare Haltungen den Freimaurerbund. Weder wurden die esoterisch hermetischen Wurzeln weiterentwickelt noch interpretiert für die Zeit heute. Auch in Abgrenzung zu dem teilweise aussteigerischem oder kommerzialisierten Charakter von „new age“ und den vielen Irritationen und Verwirrungen auf diesem Feld.
 
Auch die Chancen der Wiedervereinigung sind versandet in Bevormundung, Grundstückspe-kulation, Auslegungsbeharrung, Fremdbestimmung. Westdeutsche Freimaurer versuchten die eigenen Erfahrungen und die starren Haltungen hinüber zu tragen wie eine Botschaft der Sieger, verbunden mit Interessen hinsichtlich der Rückübertragungen oder den Interessen der zugezogenen Westbürger und deren Etablierung oder Erlangung freimaurischer Würden. Die Westdeutschen bilden bis heute das Rückgrat der Freimaurerei in den neuen Ländern. Dabei haben die westdeutschen Freimaurer weder die Marktwirtschaft noch die Demokratie erfunden mit der sie sich so sehr brüsteten.
 
Auch die Beiträge der Freimaurer von Sachsen, Thüringen und Sachsen – Anhalt, der Logen in Altenburg, Chemnitz, Dresden, Jena, Leipzig, Rudolstadt und vielen anderen für Demokratie, Freiheit und Vaterland im 19. bis in das 20. Jahrhundert fanden keine wirkliche Gnade in den Augen der westdeutschen Freimaurer. Die Mitwirkung von mitteldeutschen Freimaurer am Wartburgfest, am Hambacher Fest mit dem Freimaurer Siebenpfeiffer an der Spitze etc. auch nicht. Nicht einmal die Tatsache der freimaurischen Bedeutung des Völkerschlachtdenkmals, das weiland den Hohenzollern Kaiser Wilhelm I so erzürnt hatte. Dieser Teil der maurischen Geschichte diente allenfalls als sich selbst beweihräuchernder Girlandenschmuck im Bildungsbürgerstil. Wahrscheinlich waren diese Tatsachen überhaupt nicht bekannt oder präsent.
 
Mit solchen Werten und Inhalten wurde sich nie beschäftigt bei der Wiedergründung der Logen im Osten. Das ist kein Wunder bei dieser Ausgangslage. Die Tradition der deutschen Demokraten, darunter viele Freimaurer und deren Beiträge wie die des Meisters Blünschli in der Frankfurter Paulskirche, oder von Revoluzzern wie Hugo von Hoffmannstal, Preußengegnern wie Hugo von Hoffmannstal, Freimaurer unter den Querdenkern ihrer Zeit, wie die aufständischen Göttinger Professoren, der berühmte Professor Carus aus Dresden, der Reformpädagoge Fröbel und Schöpfer der Kindergärten, nicht einmal der später zum „größten Freimaurer aller Zeiten“ erhobene Karl Christian Krause kamen zur Erwähnung und mit ihnen viele andere Namen nicht und  auch nicht der, anderer Impulsgeber für Reformen und Auflehnung gegen die adlige oder bürgerlich ökonomische Herrschaft. Sie werden allenfalls leicht verschämt erwähnt.
 
Solches steht bei den heutigen deutschen Freimaurern immer noch nicht hoch im Kurs. Eher im Gegenteil. Die schwarz- rot goldene Tradition des Aufstands gegen den Adel, das Preußentum, die Ruhrbarone, den unkritischen Dünkel wird in der freimaurischen Geschichte nicht gern erwähnt. Wäre ein Wunder dort in Berlin wo man  das Logenhaus in der Heerstraße immer noch  schwarz - weiß flaggt, den Farben Preußens und am liebsten noch mit Rot, der Farbe der Hanse. Schwarz Rot - Gold, nein danke. Kein Logenhaus in Berlin zeigt diese Fahne und sie merken es vermutlich nicht mal. Deren Traditionen sind preußisch und deutsch national. So liegen die Karten bis heute.
 
Die Büste des ehemaligen Reichskanzlers und Freimaurer Gustav Stresemann ziert keine Eingangshalle der Logenhäuser in Deutschland, die Erinnerung an diese Tradition wurde nach der Einheit Deutschlands nicht transportiert. Könnte missdeutet werden der Mann.  An solche, möglicherweise gemeinsame Geschichte wollte man nicht anknüpfen. Stattdessen wurde besserwisserisch, selbstgefällig einfach übergestülpt, was in Westdeutschland schon hohl und anachronistisch war. Im Stil von freigiebigen Rotary Gesellschaften wurde eine Form von, viele Menschen abstoßender Landnahme von alten Logen gezeigt, die bis heute auf viele auch noch immer so wirkt.
 
Die eigene Prägung der Menschen in den neuen Ländern, durch deren eigene Erfahrung entwickelt, ihre Bereitschaft zur höheren Sozialität und Mitmenschlichkeit, wurde überlagert, wahrscheinlich stark misstraut. Die entstandenen Chancen wurden weder gesehen noch genutzt, in vielen Fällen bewusst übergangen. Was auch nur am Rande links eingeordnet wurde zerschellte an den Brüdern. Diskutiert oder nur aufmerksam zugehört wurde nie, allenfalls bei Klagen die mit den eigenen Vorurteilen übereinstimmten. Die Menschen, die gegenüber ihrem untergegangen System kritisch waren, fanden besonders dann keinerlei Heimat bei den Freimaurern, wenn sie ihrer kritischen Grundhaltung treu blieben, sich Zweifel und Kritik gegenüber den „neuen“ Verhältnissen und Folgen erlaubten. Also besonders dann, wenn sie die neue Freiheit des Denkens und Sagens innerhalb der Freimaurerei nutzen wollten. Aber meist stießen sie auf Besserwisser, Wendehälse und Anpasser. Kritische Geister lobte man, haben wollte sie niemand. So kamen sie auch nicht.
 
Die Freimaurer boten keinen Raum für solche Menschen oder gar für grundsätzliche Fragen, für Diskussionen über neue Formen und Nutzung der Erfahrungen der Menschen hüben wie drüben.
 
Insgesamt war das Auftreten der Westmaurer im Osten besserwisserisch, schulmeisterhaft, besitzgierig, also erbärmlich und missionarisch. Entsprechend der Zuspruch und dessen Struktur. Eine weitere große Chance wurde nicht ergriffen. So was hat Folgen.
 
Freimaurerei ist in der Zeit des modernen Denkens gewachsen. Vielfältig sind die Einflüsse von Freimaurern wie die der „Loge zu den neun Schwestern“ in Paris oder der legendären „Tea Party“ in Boston. Freimaurerei ist ein Teil der Moderne. Das ist unbestreitbar.
 
Hoehmann stellt in seinem Beitrag zur Freimaurerei in der Moderne fest:
 
„ Historische Erinnerung und gesellschaftlicher Wandel waren die bestimmenden Faktoren für ihre Entstehung und bildeten den Nachfragehintergrund im Sinne des von uns gewählten Deutungszusammenhangs. "Historische Erinnerung" bedeutete Erinnerung an die europäischen Religionskriege des 16. und 17. Jahrhunderts, die zu einem hohen Toleranzbedarf und der Sehnsucht nach gesellschaftlichen Brückenschlägen geführt hatten. "Gesellschaftlicher Wandel" meint zunächst den ebenso zerstörerischen wie schöpferischen vieldimensionalen Prozess der Säkularisierung, der Individualisierung und Autonomisierung, der im 18. Jahrhundert mit Macht einsetzte. Dieser Wandel der Sinnstrukturen und Weltdeutungen ging einher mit Veränderungen der sozialen und ökonomischen Verhältnisse. Die zunehmende standesmäßige und berufliche Differenzierung der Gesellschaft, die sozio-politischen Funktionsverlagerungen auch bei Adel, das allmähliche Entstehen von Bürgertum und modernen kapitalistischen Wirtschaftsformen, das erhöhte Bildungsangebot, die Urbanisierung und die - unter dem Vorzeichen des europäischen Kolonialismus - sich auch international, ja interkontinental verstärkende räumliche Mobilität, all das führte dazu, dass Menschen aus ihren traditionellen Bindungen und sozialen Verankerungen gelöst wurden und auch in der Wahrnehmung ihres eigenen Selbst über Generationen hinweg praktizierte Deutungsmuster ablegen mussten. Diese Veränderungen führten nicht nur zu Verunsicherungen, ja Krisen, sie ließen auch eine ausgeprägte Neigung entstehen, neue Einstellungs-, Bindungs- und Verhaltensoptionen aufzuspüren und zu nutzen. Es entwickelte sich eine Nachfrage nach neuen Formen von gesellschaftlichen Vernetzungen - modern ausgedrückt nach neuen Formen von „sozialem Kapital" - und so wurde das 18. Jahrhundert zur Epoche der Assoziationsbildung und Geselligkeit.
 
Die Freimaurerei erwies sich dabei offensichtlich als eine besonders attraktive Form neuer gesellschaftlicher Einbindung. Dies resultierte ebenso aus der breiten Nutzbarkeit der Freimaurerei für die Befriedigung vieler sozialer, weltanschaulicher, religiöser und politischer Bedürfnisse, wie aus der Möglichkeit, die Logen und Logensysteme durch Veränderungen weiter zu entwickeln und an konkrete Bedürfnisse anzupassen. Die Brüche und oft gegenläufigen Tendenzen des 18. Jahrhunderts, in mancherlei Hinsicht den labilen Strukturen der Postmoderne vergleichbar, spiegelten sich in einem bunten Gemisch verschiedenartiger Freimaurereien.“
 
Eine Konsolidierung der Freimaurerei trat erst in der Periode der eigentlichen Bürgergesellschaft ein, als sich auf dem Markt sozialer Einbindung gleichermaßen Nachfrage und Angebot stabilisierten. Insbesondere zwischen der Mitte des 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts fungierten die deutschen Logen - unabhängig davon, ob sie den altpreußischen oder den humanitären Großlogen angehörten - als stabile Assoziationsformen der bürgerlichen Mittel- und Oberschichten.
 
Sie verstanden sich als Übungsstätten von Bürgertugenden wie Anstand, Respekt, Hilfsbereitschaft und Vaterlandsliebe, spielten - nicht zuletzt aufgrund obrigkeitlicher Protektion - eine anerkannte Rolle in der deutschen Gesellschaft und ordneten sich ihrerseits loyal in die bestehende politische Ordnung ein. Thomas Manns Charakteristik einer „machtgeschützten Innerlichkeit" deutscher Gesellschaft und Kultur kennzeichnete weithin auch Selbstverständnis und logeninterne Praxis der freimaurerischen Vereinigungen.“
 
Freimaurerei in der „Postmoderne"
 
Wer die gesellschaftliche Einbettung der Freimaurerei nicht für die Vergangenheit, sondern für die Gegenwart beschreiben und damit von einer historischen auf eine soziologische Perspektive umschalten möchte, steht allerdings zunächst vor einer beträchtlichen Schwierigkeit. Denn die moderne Gesellschaft heute ist durch zahlreiche auseinanderstrebende Tendenzen gekennzeichnet, die es kaum zulassen, sie unter einen einheitlichen Begriff zu fassen. Diese Schwierigkeit zeigt sich bezeichnender Weise gerade in der Bezeichnung "postmoderne Gesellschaft", mit dem Sozial- und Kulturwissenschaftler die heutige Gesellschaft gern charakterisieren. Zweifellos handelt es sich dabei um eine weitgehend inhaltsleere Etikettierung, im Grunde um eine Verlegenheitsformel.
Denn mit ihr wird ja lediglich eine Differenz zwischen Moderne und Nach-Moderne behauptet, ohne dass diese Differenz irgendwie inhaltlich aufgefüllt oder spezifiziert würde. Was diese Formel dennoch zu einem durchaus geeigneten Signum der heutigen Gesellschaft macht, ist nun gerade ihre inhaltliche Nicht - Festlegung. Heutige Gesellschaften sind sowohl durch neue reale Strukturen gekennzeichnet als auch durch eine Zerrüttung alter Glaubensgewissheiten und durch eine daraus resultierende tiefe und anhaltende Labilität der Orientierung.
Was die Theoretiker der "Postmoderne"  eint, ist, dass sie darin keinen vorübergehenden Zustand (also gerade auch keine "Krise") sehen, sondern ein dauerhaftes Merkmal heutiger Gesellschaften. Den Denkern der Postmoderne ist, wie es Jean-Francois Lyotard, einer ihrer Hauptvertreter, einmal formuliert hat, der Glaube an die großen Erzählungen mit ihren Einheitssehnsüchten und letzten Begründungsversuchen abhanden gekommen. Aber sie trauern dieser verloren gegangenen Einheit nicht nach, sie plädieren vielmehr in einem emphatischen Sinn für Pluralität und Differenz. Offensiv tritt Lyotard für Heterogenität und Vielheit ein, wenn er schreibt: "Wir haben den Trug der Ganzheit durchschaut, wir haben die Sehnsucht nach dem Ganzen und Einen, nach Versöhnung von Begriff und Sinnlichkeit, nach transparenter und kommunikativer Erfahrung teuer bezahlt.
 
Die Antwort lautet: Krieg dem Ganzen, zeugen wir für das Nichtdarstellbare, aktivieren wir den Widerstreit."
 
Geht man davon aus, dass Pluralität und Differenz inzwischen so strukturbestimmend geworden sind, als dass sie noch einmal durch integrative Mechanismen zusammengehalten werden könnten und dass an der Verschiedenheit der Denkformen und Lebenskonzepte sowie an der Heterogenität der Handlungsformen jegliches Einheitsansinnen abprallt, dann bleibt zur Charakterisierung der heutigen Gesellschaft insgesamt tatsächlich nur noch eine Bezeichnung wie die der "Postmoderne", die sich jeder inhaltlichen Festlegung verweigert.
 
Die Gesellschaft lässt sich gewissermaßen nicht mehr auf den Begriff bringen, sie entzieht sich der einheitsstiftenden Reflexion - eine Erfahrung, die Jürgen Habermas einmal als "die neue Unübersichtlichkeit" beschrieben hat.
 
Man könnte nun bereits an dieser Stelle überlegen, wo in dieser auseinanderdriftenden, von fundamentaler Heterogenität gekennzeichneten Gesellschaft die Freimaurerei bleibt. Doch erscheint es uns gewinnbringender, einige wesentliche Haupttendenzen dieses Desintegrationsprozesses zu skizzieren, um dann jeweils im Einzelfall zu prüfen, in welche Lage die Nachfrage nach Freimaurerei bei diesem postmodernen Durcheinander gerät.
 
Wie wir zeigen wollen, stellen keineswegs alle gegenwärtigen Entwicklungstendenzen eine Bedrohung für die Freimaurerei dar, vielmehr lassen einige dieser Tendenzen die Freimaurerei - zumindest ihrer skizzierten idealtypischen Gestalt nach - geradezu als eine hochaktuelle Einrichtung mit einem beträchtlichen Bindungs- und Anregungspotential erscheinen. Betrachtet werden sollen hierzu vier kennzeichnende Aspekte der Postmoderne, die sich
 
1.       als Übergang von stratifizierter zu funktionaler Differenzierung
2.       als Pluralisierung von Glaubenssystemen und Lebensstilen
3.       als Ausformung einer Erlebnisgesellschaft und
4.       als zunehmende Individualisierung
bezeichnen lassen.
 
Vier zentrale Aspekte und ihre Konsequenzen
 
Funktionale Differenzierung
 
Eine, vor allem von Niklas Luhmann ausgearbeitete, Theorie besagt, dass die gegenwärtige Gesellschaft entscheidend durch den Übergang von stratifizierter zu funktionaler Differenzierung gekennzeichnet ist. Damit ist gemeint, dass an die Stelle einer Gesellschaft, die vertikal nach Schichten oder Ständen differenziert war, ein Typus von Gesellschaft getreten ist, bei dem die Gesellschaft als Ganzes aus ungleichartigen, aber gleichrangigen Teilen zusammengesetzt ist. Jedes dieser Teilsysteme - Beispiele wären etwa die Wirtschaft, die Politik, die Medien, die Religion, die Erziehung etc. - weist eine andere funktionale Spezialisierung auf und leistet einen anderen Beitrag zur gesellschaftlichen Reproduktion. Und jedes dieser Teilsysteme operiert nach anderen Sinnkriterien und Unterscheidungen. Eine klare hierarchische Ordnung im Verhältnis dieser Teilsysteme zueinander gibt es nicht, sie sind gleichrangig in dem Sinn, dass auf keines verzichtet und ein Ausfall auch nicht durch Leistungen eines anderen Teilsystems kompensiert werden kann. Auf diese Weise stehen die Teilsysteme in einem spannungs- und konfliktreichen Neben- und Gegeneinander, sie treffen Entscheidungen nach dem jeweils für sie spezifischen "Code" und tendieren so zu einer Verabsolutierung ihrer jeweiligen Weltsichten und Weltzugänge.
 
Folgt man dieser Theorie der funktionalen Differenzierung und bezieht ihren argumentativen Ansatz auf den Idealtypus Freimaurerei, so könnte man zunächst meinen, dass die Freimaurerei insofern an einem eklatanten Modernisierungsdefizit leidet, als viele ihrer Ideale, etwa das Prinzip der Berufs- und standesübergreifenden Offenheit, auf dem Hintergrund eines früheren, ständisch stratifizierten und hierarchisch gegliederten Gesellschaftstyps entwickelt wurden und sich von dort her legitimieren. Da jedoch auch die heutige Gesellschaft in hohem Maß Formen einer differenzierenden "Exklusion" (Luhmann) hervorbringt, kann das Festhalten am freimaurerischen Prinzip der sozialer Offenheit und des „Zusammenführens von Menschen, die sich sonst nie begegnet wären", von durchaus aktueller Bedeutung sein - nur muss es dann auf neue Weise eingeführt, begründet sowie auf seine Gestaltungskonsequenzen hin durchdacht und ausgestaltet werden, etwa in der Weise, wie die funktionale Differenzierung in den Diskurs der Logen und die Rekrutierung neuer Mitglieder Eingang findet.
Hier scheint ein generelles Problem zu liegen: die Freimaurerei entstand als frühbürgerliche Reaktion auf damals aktuelle gesellschaftliche Problemlagen. Die Problemlagen der modernen Gesellschaft heute sind jedoch ganz anderer Art, ohne dass sich die Freimaurerei in ihren Selbstthematisierungen bis jetzt angemessen darauf eingestellt hätte.
 
Pluralisierung von Glaubenssystemen und Lebensstilen
 
Ein weiteres herausragendes Merkmal "postmoderner" Gesellschaften ist ihre bereits
erwähnte Heterogenität, also die sich beschleunigende Auffächerung und Vielgestaltigkeit aller Bereiche des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens, die sich auf der Erfahrungsebene manifestiert als Pluralisierung von Glaubenssystemen und Lebensstilen, als ungemeine Steigerung von Handlungsoptionen und der Chancen, an diesen neuen Möglichkeiten teilzuhaben. Zugrunde liegt dieser Entwicklung die seit der Aufklärung immer schwächer werdende Bereitschaft der Menschen, sich vorgegebenen Institutionen und Verpflichtungen - sowie auch Ritualen! - fraglos zu unterwerfen. An die Stelle überkommener Verhaltenseinbindungen trat für die Menschen mehr und mehr die Möglichkeit - und der Zwang - der Wahl. Hintergrund dieser Entwicklung war, dass die Religion, die ursprünglich mit dem Anspruch verbunden war, die gesamte Lebensführung des Menschen zu bestimmen, ihre zentrale Stellung verlor. Sie wurde auf eine engere, gewissermaßen spezialisiert religiöse Aufgabe zurückgedrängt und als subjektiver Glaube zur Privatsache. Damit sind die Zeiten, in denen der Maurerbund - in der heutigen Aushandlungsgesellschaft  - auf "seinen" Werten und ethischen Begründungen besteht, immer in Gefahr, als altmodisch, gestrig, dogmatisch oder lernunfähig zu gelten.
 
Andererseits - und hier liegt die Chance des Freimaurerbundes: Menschen suchen - gleichsam entgegengesetzt zum Zeitgeist - Einbindung und Orientierung. Die Chance des Freimaurerbundes liegt somit nicht im Verneinen des Wandels und schon gar nicht in weltflüchtiger Weinerlichkeit. Heute können die unterschiedlichsten kulturellen Deutungsmuster und Sinnangebote als Vorlagen für Lebensentwürfe dienen und zur Beurteilung tugendhaften Handelns herangezogen werden.
 
Auch diese Entwicklung bringt für die Freimaurerei Probleme und Chancen mit sich. Zunächst: Der Freimaurerbund stand ja schon immer in Konkurrenz zu anderen Formen der Assoziationsbildung und der Organisation von Geselligkeit. Durch die immense Erweiterung der Möglichkeiten und Formen, soziale Beziehungen zu leben, soziale Bindungen einzugehen und Geselligkeit zu gestalten, ist die Freimaurerei unter einen erhöhten Konkurrenzdruck geraten. Sie steht gewissermaßen auf dem Markt der Möglichkeiten in einem Wettbewerb mit anderen Optionen und muss versuchen, ihr Profil zu schärfen und ihre Attraktivität zu erhöhen. Dies jedoch fällt ihr schwer, nicht nur weil sie noch keine rechte Einstellung zu dieser marktähnlichen Situation gewonnen hat sondern auch, weil sie sich als eine ethisch begründete und kultisch gestaltete Assoziation versteht und moralische Haltungen wie ethische Begründungen in der gegenwärtigen Gesellschaft erheblich in Misskredit geraten sind.
 
Moral ist zwar nicht aus dem gesellschaftlichen Leben verschwunden, aber sie lebt wie die Religion in eher unsichtbaren Sozialformen weiter und ist im Grunde einem gepflegten Relativismus gewichen.
 
 
Bei der Darstellung der Entwicklungstendenzen in der heutigen Gesellschaft orientieren wir uns an einigen gängigen "soziologischen Gegenwartsdiagnosen", die in den vergangenen Jahrzehnten publiziert wurden und bei denen jeweils eine dieser Tendenzen herausgehoben und zum zentralen Merkmal erklärt wird. Für eine Übersicht siehe im Vermitteln zwischen Veränderung und Dauer auf der Grundlage ethischer Überzeugungen, rituell-sinnlicher Erfahrungen und einer moralisch integeren Logenpraxis.
 
Erlebnisorientierung
 
Mit der zunehmenden Enttraditionalisierung von Lebensformen und der Steigerung von Handlungsoptionen schiebt sich - so eine weitere Gesellschaftsdiagnose - immer stärker die Erlebnisorientierung der Menschen in den Vordergrund; es entwickelt sich das, was Gerhard Schulze als Erlebnisgesellschaft bezeichnet hat. Charakteristisch hierfür ist der Wechsel von der Außen- zur Innenorientierung, hin zum subjektiven Erleben. Die Ausrichtung auf Erlebnissteigerung führt zu einer Orientierung am Erlebnismarkt, der nicht nur den aktuellen Erlebnisbedarf bedient, sondern mit immeneuen Angeboten eine Dynamik sich ausweitender Erlebniserwartungen in Gang hält.
 
Die "Erlebnisgesellschaft" ist nicht durch hierarchisch gegliederte Formationen (Schichten, Stände etc.) bestimmt, sondern durch soziale Milieus, die sich über Erlebnisroutinen, Semantiken und "alltagsästhetische Schemata" bilden. Schulzes These: "Die Strukturen der Erlebnisgesellschaft sind Ordnungskonstruktionen im Orientierungsvakuum."
 
Im Hinblick auf die Freimaurerei ist die Entwicklung der Erlebnisgesellschaft u.a. deshalb von Bedeutung, weil die Suche nach immer neuen Erlebnissen zu einer Ausrichtung auf immer noch spektakulärere "Events" führt sowie zur Unfähigkeit, unveränderbare strukturelle Gegebenheiten zu akzeptieren und sich auf feste Verpflichtungen einzulassen. Kaum vereinbar mit der Erlebnis- und Eventorientierung ist daher auch das lebenslange Engagement, die Bereitschaft zu dauerhafter Bindung, die langfristige Arbeit an sich selbst mittels Teilhabe an ethisch orientierten Diskursen auf der Grundlage tradierter Wertvorstellungen sowie einer rituellen Einübungspraxis - alles "essentials" der Freimaurerei.
Doch auch hier gibt es wieder die Chance alternativer Entwicklungen: Mit der Reizüberflutung verbindet sich Sehnsucht nach Nachdenklichkeit, nach Kontemplation, nach Langsamkeit, nach einem anderen, weniger hektischen Begriff von Zeit, kurz nach Strukturelementen der Freimaurerei.
 
Individualisierung
 
Während sich in einer ersten Modernisierungsphase die Menschen aus den Sozialgebilden der Industriegesellschaft - den ständischen und religiösen Bindungen - herausgelöst haben, sorgt die Dynamik des Modernisierungsprozesses heute dafür, dass auch die bislang noch gültigen Bindungs- und Lebensformen - soziale Schichten, Familien, Geschlechterrollen - ihre Selbstverständlichkeit verlieren und brüchig werden. Auch sie haben sich zunehmend in bloße "Optionen" verwandelt - und können eben deshalb auch abgelehnt werden. In diesem Prozess treten die Menschen mehr und mehr aus ehemals festen sozialen Strukturen, die Bindung ermöglichten und Orientierung vermittelten, heraus, d.h., die Individuen sind in zunehmendem Maß auf sich selbst gestellt, ein Vorgang, der als Individualisierung bezeichnet wird. In diesem Prozeß kommt es zunehmend zur Erosion gewachsener sozialer Institutionen (wie etwa der Verwandtschaft), die Menschen können bzw. müssen in bisher ungeahntem Ausmaß ihre Lebensplanung, ihre biographischen Wendungen und ihre Weltsichten eigenverantwortlich entscheiden. Die Relevanz des Individualisierungsprozesses für die Freimaurerei kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Zum einen geht ja mit diesem gesellschaftlichen Umwälzungsprozess unverkennbar auch eine Neudefinition der Geschlechterrollen und der Beziehungen der Geschlechter einher.
 
Davon ist die Freimaurerei als eine Assoziation, die zwar offen für den Einschluss von Frauen in die Logengeselligkeit ist, aber dennoch ein reiner Männerbund bleibt, unmittelbar betroffen. Sie gerät unter Legitimationsdruck, weshalb sie zu einem Zeitpunkt, zu dem nahezu alle ehedem rein männlichen Handlungsfelder auch für Frauen geöffnet sind, am "Ausschluss" von Frauen festhält.
 
Allerdings: Auch wenn diese Praxis als Ausdruck einer veralteten Vorstellung segregierter Geschlechtersphären interpretiert werden kann, so steckt darin doch auch eine Chance, insofern nämlich, als die Diskussion in der Gesellschaft über die Vorteile punktueller Geschlechtertrennung - etwa in der Schule anstelle eines durchgehend koedukativen Unterrichts - durchaus modern geführt wird.
 
Freilich müsste die Freimaurerei dann offensiv (und nicht mit schlechtem Gewissen) zu ihrer Praxis stehen, sich voll auf einen wirklich modernen Geschlechterdiskurs einlassen und ihre Begründungsstrategien reformieren.
 
Eine weitere Chance resultiert für die Freimaurerei aus den Folgen, die der Individualisierungsprozess im Hinblick auf die soziale Einbindung der Menschen in der Postmoderne nach sich zieht und die in der Soziologie an verschiedenen Stellen mit variierenden Konzepten diskutiert werden. Im Wesentlichen geht es dabei um die Überlegung, dass mit der Individualisierung und dem Verlust traditioneller Bindungsformen eine Schwächung des Sozialkapitals - das heißt der Bindungskräfte der Gesellschaft - einhergeht und damit die Gefahr von Anomie und sozialer Desintegration steigt.
 
Dieser Gefahr kann nur dadurch begegnet werden, dass in der Gesellschaft über "Ligaturen" (Dahrendorf) oder "intermediäre Institutionen" (Berger/Luckmann) die vereinzelten Akteure wieder "eingefangen" und in soziale Netzwerke eingebunden werden. Derartige Einrichtungen lassen sich allerdings kaum administrieren, sie sind auf gewachsene Strukturen angewiesen. Logen repräsentieren solche gewachsenen Strukturen, und so wird auch an dieser Stelle deutlich, dass die Freimaurerei ein Potential an gesellschaftlicher Relevanz besitzt. Um dieses Potential zu aktualisieren, müsste sie allerdings beginnen, sich selbst als Agentur für die Vermittlung von sozialem Kapital zu sehen, sich als solche in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen und die Logenpraxis entsprechend zu gestalten.
 
Insgesamt zeigt sich, dass die Strukturen der Postmoderne die für frühes Bürgertum und entfaltete Bürgergesellschaft selbstverständliche und weit verbreitete Option der Logenmitgliedschaft weitgehend hinfällig gemacht hat. Die Freimaurerei ist aus ihrem traditionellen Bund mit dem Zeitgeist herausgefallen. Ihre Chancen bestehen jedoch darin, jene Nachfragenischen zu nutzen, die die Vielfalt der Postmoderne für Assoziationsformen bereithält, die eher quer zum herrschenden gesellschaftlichen Trend positioniert sind.
 
Struktur- und Entwicklungsprobleme der Freimaurerei
 
Um die, für sie Erfolg versprechenden, Nachfragesegmente der Postmoderne zu nutzen, muss die Freimaurerei allerdings zahlreiche Schwächen auf der Angebotsseite überwinden. Denn es ist unverkennbar, dass die Freimaurerei in Deutschland Struktur- und Entwicklungsprobleme aufweist, die langfristig ihre Substanz beeinträchtigen. Diese Probleme sind allerdings nur unzureichend dokumentiert, geschweige denn zufriedenstellend analytisch aufgearbeitet worden. Die Freimaurerei der Gegenwart ist eine große Unbekannte, was eine angewandte und gegenwartsbezogene Freimaurerforschung zu einer wichtigen Aufgabe macht.
 
Doch auch ohne exakte Belege sind zumindest Hypothesen zu den Problemen der deutschen Freimaurerei formulierbar. Folgende kritische Symptome sind auszumachen:
 
1.       Die Zahl der Freimaurer in Deutschland stagniert, vermutlich ist sie sogar eher rückläufig, wobei sich deutliche regionale Aktivitätsunterschiede zeigen. Nach den Angaben über die Mitgliedszahlen der Logen in den „Jahrbüchern der V.G.L.v.D.", die allerdings nur annähernd als genau gelten können, nahm die Gesamtzahl der Mitglieder der drei in den Vereinigten Großlogen von Deutschland zusammengefassten deutschen Großlogen zwischen 1960 und 2000 von ca. 16.000 auf ca. 14.500, d.h. um ca. 10% ab. Dabei verlor die Großloge A.f.u.A.M. von Deutschland (2000 ca. 9.850 Mitglieder) ca. 5%, die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln" (2000 ca. 1.030 Mitglieder) ca. 15% und die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland (2000 ca. 3.600 Mitglieder) ca. 20% ihres Mitgliederbestandes. Sehr unterschiedlich verlief die Entwicklung in den einzelnen Städten. Unter den 5 großen Zentren der deutschen Freimaurerei mit einem Mitgliederbestand von jeweils über 400 Maurern im Jahre 2000 hatten Hamburg ca. 45% und Berlin ca. 40% ihrer Mitglieder seit 1960 verloren. In Bremen war die Mitgliederzahl etwa auf der gleichen Höhe geblieben. Dagegen zählten die Logen in Hannover im Jahre 2000 ca. 15% und in München ca. 40% mehr Freimaurer als 1960.
2.       Gegenüber der Gesamtzahl der Mitglieder nimmt die Zahl der Logen zu. Gab es 1960 322 „deutsche" Logen in den V.G.L.v.D. So war ihre Zahl bis 2000 auf 406 angestiegen (+ 26%).  Diese Entwicklung ist zwar zum größten Teil auf Wieder- und Neugründungen von Logen in den östlichen Bundesländern zurückzuführen.  Sie setzte jedoch schon früher ein als 1990/91, war nur teilweise mit einem Wachstum der Mitgliederzahlen verbunden und lässt als Ursachen nicht nur Pioniergeist sondern auch innere Spannungen, Spaltungen und unguten persönlichen Ehrgeiz erkennen. • Die Altersstruktur ist ungünstig, das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei ca. 60 Jahren, es hat sich seit Ende der 1970er Jahre um etwa 5 Prozent erhöht, so dass tendenziell Überalterung als Folge immer wahrscheinlicher wird. Nun lag das Durchschnittsalter der Logenmitglieder - mit der möglichen Ausnahme der ersten Jahrzehnte der Logengeschichte im 18. Jahrhundert - aufgrund der Anforderungen, die im Hinblick auf persönliche Reife und bürgerliche Etablierung der „freien Männer von gutem Ruf" an die Beitrittskandidaten gestellt wurden, in der Regel über dem Durchschnitt „bürgerlicher" Vereine. Das hohe Durchschnittsalter als solches ist auch noch nicht bedrohlich für den Bestand der Freimaurerei, schließlich gibt es „junge Alte" und der „Dialog zwischen den Generationen" mag für jüngere Mitglieder sogar verlockend sein. Zusammengenommen mit der steigenden Tendenz erweist sich die gegenwärtige Altersstruktur jedoch als Belastung, wenn man die Perspektiven der kommenden 10 oder 20 Jahre in Betracht zieht.
3.       Berufliche Geltung, Bildung und durchschnittliches Einkommen der Mitglieder nehmen (wiederum mit deutlichen Unterschieden) tendenziell ab. Die soziale Öffnung der Logen - wiewohl im Einklang mit dem traditionellen freimaurerischen Wertekanon einer Orientierung auf den „bloßen" Menschen - verändert ihren Platz in der „Bürgergesellschaft", nicht zuletzt im Vergleich mit anderen „ethisch orientierten Vereinigungen" wie Rotary und Lions.
4.       Die Zahl der Suchenden und Neuaufnahmen nimmt tendenziell ab, wenn es auch hier wiederum signifikante Unterschiede zwischen Logen und Logenregionen gibt.
5.       Die Partizipation der Brüder an den Logenveranstaltungen geht - wiederum mit Unterschieden - tendenziell zurück. Es lässt sich von einem Phänomen der „inneren Deckung" sprechen, d.h. einer anhaltenden Nichtteilnahme an Logenveranstaltungen, ohne einen formalen Austritt vorzunehmen. Zumindest ist vielfach eine sehr „ausgedünnte" Teilnahme an Logenleben zu beobachten.
6.       Die Entwicklung in den Neuen Bundesländern zeigt, dass es trotz beachtlicher Aufbauerfolge inzwischen zu beträchtlichen Konsolidierungsschwierigkeiten gekommen ist. Wirtschaftslage, Gesellschaftsumbruch und 60 Jahre Unterbrechung freimaurerischer Tradition wirken sich auf dem Hintergrund ganz bestimmter kollektiver und individueller Erfahrungen negativ aus - nicht nur auf die Entwicklung der Logen. Die genannten negativen Entwicklungen sind auf Struktur- und Handlungsschwächen des Freimaurerbundes zurückzuführen, wobei Substanz- und Vermittlungsprobleme unterschieden werden können.
7.       Was die Substanzprobleme betrifft, so leidet der Freimaurerbund an einem Mangel an Lebenskraft und Ausstrahlung, an Identität und Profil, an gründlichem freimaurerischen Wissen und Verständnis für das Zusammenspiel von Gemeinschaft, Idee und Ritual sowie an wirklicher menschlicher Qualität. Es gibt Grundstörungen in der Gruppensituation der Logen, die mit Stichworten wie unzureichende Einbindung von Brüdern, fehlende Harmonie zwischen ihnen, Abhandenkommen von Freundschaft sowie mangelhafte Lebendigkeit der Loge (geistig, rituell, sozial, kulturell) bénannt werden muss  

Einige davon möchten wir nennen:
 
1.       die Spannung zwischen mystisch-esoterischen und aufklärerischen Elementen;
2.       die Spannung zwischen ihren unbestreitbaren religiösen Elementen und dem Postulat, weder als Nebenkirche noch als Religionsersatz zu fungieren;
3.       die Spannung zwischen Geheimnis und Öffentlichkeit;
4.       die Spannung zwischen archaischen, mythisch-legendären und historisierenden Elementen im Ritual;
5.       die Spannung zwischen eingeforderter Egalität und mannigfaltigen Hierarchien;
6.       Die Spannung zwischen universellen Wertvorstellungen und der (zumindest zeitweiligen) Praxis einer Nichtaufnahme bestimmter Menschengruppen (Juden, Frauen, Schwarze);
 
Dazu gilt es, an jenen Spannungen zu arbeiten, die aus der freimaurerischen Praxis, d.h. aus der oft wenig überzeugenden Umsetzung der Freimaurerei in die Logenpraxis resultieren:
 
1.       Widersprüche zwischen hohen Idealen und menschlichen Schwächen sowie
2.       der Abstand zwischen dem beträchtlichen philosophisch-intellektuellen Niveau, das die Logen für sich beanspruchen, und dem nicht selten eher oberflächlichen und unreflektierten Charakter der in und zwischen den Logen geführten Diskurse.
 
Zum Schluss lässt sich als Fazit formulieren, dass der oben skizzierte „Idealtyp Freimaurerei" auch in der Postmoderne eine Chance hat, gesellschaftliche Nachfrage auf sich zu ziehen. Allerdings muss das Angebot nach Qualität und Substanz attraktiv sein.
 
Qualität und Substanz der Freimaurerei sind freilich nicht von Gesellschaftsstruktur und Zeitgeist zu verantworten, sondern von den Freimaurern selbst.
 
 
 

 

     


 

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